HVG Germany: Hopfen


1975 bis 2003
Eine so starke Stellung im Hopfenhandelsgeschehen brachte der HVG zwangsläufig nicht nur positive Stimmen ein. Vor allem ihre Bedeutung innerhalb der EWG-Hopfenmarktordnung verursachte manch lautere Töne. Als "Preistreiber, Monopolisten, Hopfenkommunisten" habe man sich beschimpfen lassen müssen, so klagte beispielsweise Hermann Schlicker in der Vertreterversammlung 1978.
Dieses Hopfenjahr sollte in mehrfacher Hinsicht zu einem "heißen Jahr" für die HVG werden. Nicht nur, weil Anfang November in einer Darre der Mainburger Aufbereitungshalle ein Feuer ausbrach, das nicht nur diese Darre, sondern zudem 80 Ztr. gelagerten Hopfen vernichtete. So verkündete in der nachfolgenden Vertreterversammlung der HVG-Vorstand seinen Entschluss, die Erzeugerbeihilfe für das Jahr 1978 nicht an seine Mitglieder auszubezahlen. Vielmehr wollte man den Betrag für marktstabilisierende Maßnahmen verwenden, konkret, sich mit einem Teil des Geldes an einem Hopfenverarbeitungsbetrieb beteiligen und mit dem Rest einen Hopfenpool nach amerikanischem Vorbild aufbauen. Dass dieser Entschluss in der Versammlung eine "Diskussion" auslöste, war vorhersehbar. "Draußen bei den Hopfenpflanzern" wuchs er sich jedoch zur "großen Opposition" aus. In einer nachfolgenden außerordentlichen Vertreterversammlung stimmte schließlich die Mehrheit der Versammelten gegen den Entschluss und für eine Auszahlung der Hälfte der Beihilfe. Doch als ein Jahr später erneut der Gedanke der Einbehaltung der Beihilfe zur Sprache kam, herrschte bereits ein "anderes Klima", so die damaligen Berichterstatter: Mehrheitlich stimmte man für die Einbehaltung der Beihilfe. So konnte man im Sommer 1982 die "HVG Hallertau Beteiligungsgesellschaft mit beschränkter Haftung mit dem Sitz in Wolnzach" gründen (Geschäftsführer: Hermann Schlicker). Deren alleinige Aufgabe war es, "Beteiligungen an Hopfenverarbeitungsunternehmen" zu erwerben und zu halten. Unmittelbar darauf beteiligte sich die HVG an der Hopfenveredlung HVG Barth, Raiser & Co. in St. Johann und in Wolnzach.
Um Fragen wie den Umgang mit der Erzeugerbeihilfe sollte es zwar auch in den folgenden Jahren immer wieder teilweise aufreibende Diskussionen innerhalb der HVG geben. Nicht zuletzt die immer angespanntere Lage auf dem Hopfen- und Braumarkt führte jedoch zu einem immer stärkeren Zusammenrücken unter den Hopfenpflanzern. Dies machte sich nicht zuletzt auch in dem bisher letzten großen Schritt der HVG bemerkbar, als beim Übergang zum neuen Jahrtausend die noch bestehenden regionalen Genossenschaften wie Elbe-Saale (2000), Jura (2001) oder Tettnang (2001) in der HVG aufgingen und diese fortan unter dem Namen "HVG Hopfenverwertungsgenossenschaft e.G" firmierte. Mit Ausnahme der Hopfenpflanzer im Anbaugebiet Spalt sind heute die Pflanzer aus allen deutschen Anbaugebieten Mitglieder der HVG Hopfenverwertungsgenossenschaft e.G. in Wolnzach.
Im Sommer 2003 konnte die HVG ihr neu errichtetes Verwaltungsgebäude in Wolnzach beziehen. Ihre unmittelbare Nachbarschaft zum Deutschen und Hallertauer Hopfenpflanzerverband, zur Hopfenberatung der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft sowie zum neu gebauten Deutschen Hopfenmuseum symbolisiert auf markante Weise die Stellung der HVG als kunden- wie erzeugernahes Hopfenhandelshaus, eine Stellung, die inzwischen auf die Tradition eines halben Jahrhunderts zurückschauen kann. Am 6. Oktober 2003 jährt sich der Gründungstag der HVG zum 50. Mal.