HVG Germany: Hopfen


1960-1974
Hermann Schlicker, jahrzehntelang geschäftsführendes Vorstandsmitglied der HVG Hallertau, sollte später einmal die Aufgabe der HVG in dieser ersten Phase bis 1959 in rein "preisstützender Funktion" beurteilen. Das Jahr 1960 brachte insofern einen Umbruch, als hier der Beschluss reifte, das bisherige Kommissionsgeschäft allmählich zu Gunsten einer stärkeren Orientierung am Vertragshopfenbau aufzugeben. Für Schlicker war dies gleichbedeutend mit einem endgültigen Wandel der HVG hin zu einer Führung nach "unternehmerischen Gesichtspunkten".
Dieser Wechsel hin zum Vorvertragssystem bedeutete also nicht nur für die Hopfenbauern einen maßgeblichen Umbruch in der Geschichte der Hopfenvermarktung. Dass der eingeschlagene Weg der richtige war, spiegelte sich nicht zuletzt in den stabilen Mitgliederzahlen der HVG und einer gleichzeitigen kontinuierlichen Steigerung der vermarkteten Hopfenmengen Jahr für Jahr. 1966 lag dabei der Anteil an Vertragshopfen bereits bei rund 90 %.
Einen wichtigen Schritt beim Thema Marktregulierung unternahm die HVG 1968. Sie beteiligte sich an der Hopstabil GmbH, die in Wolnzach unter gleichem Namen ein großes Werk für Hopfenpulver betrieb. Somit konnte sie erstmals ein eigenes, bereits fertig ausgereiftes Hopfenprodukt auf den Markt bringen.
Vielleicht den wichtigsten Meilenstein in der Genossenschaftsgeschichte brachte das Jahr 1973. Die HVG konstituierte sich, auch auf Betreiben des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums, als Erzeugergemeinschaft im Sinne der EWG-Marktordnung. Diese neue Stellung der HVG machte nicht nur umfangreiche Satzungsänderungen nötig, die 1978 endgültig vollzogen wurden. Erstmals waren nun alle Mitglieder der Erzeugergemeinschaft berechtigt, für Maßnahmen im Sinne einer Hopfenmarktstabilisierung Erzeugerbeihilfen zu beantragen. Die Zuteilung dieser Beihilfen oblag ab sofort der Hopfenverwertungsgenossenschaft. In der Hopfenanbaupraxis bedeutete dies noch einmal eine wesentlich stärkere Konzentration auf Qualität und Sortenwahl.
Mit der Ernte 1974 vermarktete die HVG schließlich über 50.000 Ztr. Hopfen. Ihre Marktstellung war inzwischen so gefestigt, dass sie ihre Aktivitäten erstmals auch auf andere Anbaugebiete auszudehnen begann. So führte ihr Geschäftsbetrieb erstmals auch ins Anbaugebiet Hersbrucker Gebirge, wo die dortige Genossenschaft bereits 1966 zusammengebrochen war.