HVG Germany: Hopfen



Gründung der HVG Hallertau 
Auch wenn Namenskürzel und genossenschaftliche Ausrichtung den Eindruck erweckten - eine konkrete Verbindung zur "Deutschen Hopfenverkehrsgesellschaft" bestand bei der HVG niemals. Im Gegenteil. Die Gründerväter der HVG beeilten sich, das durch den DHVG-Konkurs entstandene Misstrauen in die Genossenschaftsidee nicht auf die eigene Institution abfärben zu lassen. Dementsprechend deutlich wies man darauf hin, dass "diese Genossenschaft mit der DHVG in keiner Weise verglichen werden kann". Andererseits fiel der Gründungszeitpunkt der HVG mit dem der DHVG-Pleite nicht zufällig zeitgleich ins Jahr 1953. Der Konkurs hinterließ einerseits ein Vakuum, das man andererseits nun endlich mit einer Genossenschaftsgründung ohne alle Vorbelastungen füllen wollte.
So versammelte sich auf Einladung des Hopfenpflanzerverbandes Hallertau am 6. Oktober 1953 im voll besetzten Mainburger Christlbräu eine große Zahl von Hallertauer Hopfenbauern, Hopfenfunktionären, Regional- und Agrarpolitikern und gründete die "Hopfenverwertungsgenossenschaft Hallertau e.G.m.b.H." mit Sitz in Mainburg. Zum Vorstandsvorsitzenden wählte man Dr. Jakob Spitzauer (München-Gräfelfing), als seinen Stellvertreter Andreas Grabmair (Scheuerhof) sowie als weiteres Vorstandsmitglied Michael Forstner (Freidlhof). Zum Aufsichtsratsvorsitzenden berufen wurde Otto Höfter (Neuhausen), als weitere Aufsichtsratsmitglieder Sebastian Raith (Marzill) sowie Hans Bergermeier (Siegenburg).
Als Gegenstand des Unternehmens waren laut den Statuten vor allem die gemeinschaftliche Aufbereitung und kommissionsweise Verwertung von Hopfen vorgesehen: "Die Genossenschaft will in erster Linie durch ihre geschäftlichen Einrichtungen die wirtschaftlich Schwachen stärken und das geistige und sittliche Wohl der Genossen fördern nach dem Grundsatz "Einer für alle, alle für einen'". Mitglieder konnten alle Personen werden, die den Hopfenbau "in den Siegelbezirken der Hallertau" betrieben oder aber sich allgemein "die Förderung des Hopfenabsatzes angelegen sein lassen" wollten. Man verstand sich keineswegs als Konkurrenzunternehmen zum Hopfenhandel, sondern wollte nur als Kommissionär in Erscheinung treten.
Eine Nähe zu Staat und Politik war von Anfang gewünscht. Dementsprechend freute man sich, den damaligen bayerischen Landwirtschaftsminister, Dr. Alois Schlögl, als Mitglied Nr. 1 in der Liste aufnehmen zu können. Diese politische Nähe hatte auch einen konkreten Grund: Ohne die Erteilung einer Staatsbürgschaft in ausreichender Höhe wäre die neue Genossenschaft von vorne herein ein stumpfes Schwert gewesen. Zur Erteilung dieser Bürgschaft, so stellte sich in den Folgemonaten jedoch heraus, bedurfte es eines einheitlichen Auftretens aller bestehenden Hopfengenossenschaften. Im Anschluss an die Hallertauer Gründung hatten sich nämlich auch in den Hopfenanbaugebieten Spalt, Hersbruck und Rottenburg-Herrenberg-Weilderstadt (RHW) HVG´s gegründet; die Hopfengenossenschaft Rheinpfalz existierte bereits seit 1936. Unter dem Schirm der "Bayerischen Warenvermittlung" (BayWa) gründeten deshalb Anfang 1954 alle Genossenschaften zusammen die "Genossenschaftliche Hopfenverwertungs-Zentrale m.b.H." mit Sitz in Nürnberg, die bis 1971 existierte. Nebenbei erfolgte im Rahmen dieser Gründung auch die einzige konkrete "Nachfolge" zur DHVG: Die Hopfenverwertungs-Zentrale übernahm aus deren Konkursmasse das Gebäude und dessen Einrichtung.