HVG Germany: Hopfen

Hopfenherkunftsgesetz

Im 16. Jahrhundert wird in Spalt das Hopfensiegel verliehen. Dieses Zertifizierungssystem wird nach und nach in allen bedeutenden Anbaugebieten des Deutschen Reichs übernommen.

Vermehrter Missbrauch und Fälschung des Siegels führen im Jahre 1907 zum Erlass eines Provenienz-Gesetzes. Das erste sogenannte "Deutsche Hopfenherkunftsgesetz" (Gesetz über die Herkunftsbezeichnung von Hopfen) stammt aus dem Jahre 1929. Damals wird geregelt wo Hopfen angebaut werden darf und wie man durch Kennzeichnung von Anbaugebiet, Siegelung und Plombierung den Hopfen vor Qualitätsverfälschung schützt. Siegelbezirke werden eingeführt. Die Hallertau zum Beispiel, wird in 13 Siegelbezirke aufgeteilt.

Die heutige Europäische Hopfenmarktordnung basiert im wesentlichen auf den Prinzipien des Deutschen Hopfenherkunftsgesetzes von 1929.

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Zertifizierung

Dieses sehr umfangreiche Thema werden wir hier zusammengefasst behandeln. Um die Umsetzung zu verstehen bleibt es Ihnen aber nicht erspart, einen Blick in die Gesetze zu werfen. Die EU hat sich bei der Hopfenmarktordnung an die damals bestehenden deutschen Hopfengesetze angelehnt und Anfang der Siebziger die Hopfenmarktordnung verabschiedet.
Die Europäische Hopfenmarktordnung hat als Ziel mit Hilfe von Bestimmungen über die Vermarktung, über Lieferverträge, die Einrichtung von Erzeugergemeinschaften, Beihilfen und den Handel mit Drittländern, die Preise zu stabilisieren und den Landwirten eine angemessene Lebenshaltung zu gewährleisten. In der Verordnung (EWG) Nr. 1696/71 des Rates vom 26. Juli 1971 über die gemeinsame Marktorganisation für Hopfen.

Die "Verordnung (EWG) Nr. 1784/77 des Rates vom 19. Juli 1977 über Zertifizierung von Hopfen" regelt die Zertifizierung im allgemeinen, und die "Verordnung (EWG) Nr. 890/78 der Kommission vom 28. April 1978“ in Einzelheiten.
Die jeweils nationalen und regionalen Gesetzgebungen müssen für die Durchführung dieser EU-Richtlinien sorgen. Zum Beispiel können nach der Verordnung zur Durchführung des Hopfengesetzes in Bayern (Bay Hopf DV), die Siegelgemeinden das Landeskuratorium für pflanzliche Erzeugung in Bayern e.V. (LKP) mit der Zertifizierung beauftragen. Dieses wird in den Anbaugebieten Hallertau und Hersbruck bereits in großem Umfang mit gutem Erfolg in die Praxis umgesetzt.

Die Begleiturkunde des Hopfens kommt einer Geburtsurkunde gleich:
Name des Kindes = Sorte = HHM Hallertau Hallertauer Magnum
Geboren am = Erntejahr = 2003
Stadt = Siegelbezirk = 32D Geisenfeld i.d. Hallertau
Land = Anbaugebiet = Hallertau
Geburtsgewicht = Bruttogewicht =  5.016 Kg =
Eltern = Bezugsnummer = 34D 03 1107634
Staatsangehörigkeit = Anbauland  =  Deutscher Siegelhopfen (Ballenanzahl= 125)

So können wir die Rückverfolgbarkeit einer Hopfenpartie bis zum Pflanzer lückenlos gewährleisten.