HVG Germany: Hopfen

 

Freunde und Feinde

1. Falscher Mehltau (Pseudoperonospora humuli):
pfl_krank_mehlt_1Wichtigste Pilzkrankheit des Hopfens. Sie wurde von den USA über England nach Europa eingeschleppt. Die Verbreitung erfolgt über Pilzsporen. Befallsstellen auf den Blättern haben zunächst eine helle Auffärbung. Auf der Blattunterseite entwickelt sich ein grauer Pilzrasen. Die Blüten verhärten und entwickeln sich nicht, die Dolden werden scheckig braun. Der Peronospora-Warndienst in den jeweiligen Anbaugebieten ermöglicht eine gezielte Bekämpfung. Über die Auswertung des Sporenflugs, der Blattnässe und des Sättigungsdefizits der Luft wird täglich auf eine mögliche Infektionsgefahr hingewiesen.

Die Peronospora wird durch den zur Klasse der Phycomyceten (= Algenpilze) gehörenden Pilz Pseudoperonospora humuli (Miyabe und Takahashi) Wilson verursacht. Dieser Pilz ist ein obligater Parasit, d. h. er kann sich nur in der lebenden Hopfenpflanze, aus der er seine Nahrung bezieht, vermehren.

Entsprechend ihrer Entstehung sind die nach Sekundärinfektion entstandenen Pilzrasen unregelmäßig über die ganze Blattunterseite verteilt. Im Gegensatz zur Primärinfektion werden von der Sekundärinfektion auch Seitentriebe, Blüten und Dolden befallen.

Neue Wurzelhälse werden durch das Abwärtswachsen des Pilzes von den sekundär befallenen Trieben aus infiziert. Damit ist dann wieder die Grundlage für eine Primärinfektion dieser Pflanze im kommenden Frühjahr geschaffen.

 

2. Echter Mehltau (Sphaerotheca humuli)
pfl_krank_mehlt_2Echter Mehltau kommt bei Pflanzen relativ häufig vor (Rosen, Kernobst ...). In der Regel zeigt sich ein Befall durch weißlichen Belag auf der Blattoberseite. Die Blüten und Dolden verkrüppeln.

Die Pilze des Echten Mehltaus sind obligate Parasiten auf höheren Pflanzen und weltweit verbreitet; durch ihr Massenauftreten verursachen sie große wirtschaftliche Schäden. Alle grünen Pflanzenteile können befallen werden, wobei sich die weißlich-mehligen Flecken häufiger auf den Blattober- als auf den Blattunterseiten bilden.

Einige Mehltaupilze bilden in einem fortgeschrittenen Befallsstadium ein weiteres ("sekundäres") Mycel aus, das besonders bei Sphaerotheca sehr ausgeprägt sein kann und aus dickwandigen, bräunlichen Hyphen besteht. Auch der Grasmehltau entwickelt manchmal einen rotbraunen, filzartigen Mycelbelag.

 

3. Botrytis (Botrytis cinerea)
krankheiten_7In Jahren mit häufigen Niederschlägen während der Blüte tritt der Botrytispilz häufiger auf. Befallen wird nur die Dolde. Einzelne Blätter oder die Doldenspitze verfärben sich rotbraun.

Botrytis cinerea wird immer wieder als Schwächeparasit eingestuft, da er in den meisten Fällen eine Schwächung oder Verletzung der Wirtspflanze zur Infektion braucht. Vor allem unzureichende Kulturbedingungen, wie zu enger Stand, Mangel an Licht und Luft, zu große Luft- und Bodenfeuchtigkeit, stark wechselnde Temperaturen, Frost-, Verbrennungs- oder Insektenfraßschäden sowie mechanische Verletzungen begünstigen den Befall.

Der Pilz bildet schwarze Dauerkörper (Sklerotien) aus, mit denen er ungünstige Bedingungen überdauern kann und aus denen bei entsprechenden Voraussetzungen wieder Konidiophoren herauswachsen. Die gebräunten Befallsstellen können sich an Stängeln, Blättern, Blüten (Blütenbotrytis) und an jungen Zweigen bilden, aber auch Wurzeln und Wurzelhals können befallen werden.

 

4. Hopfenwelke (Verticillium albo-atrum, V. dahliae)
pfl_krank_welk_1pfl_krank_welk_2Die Welkeerscheinungen der oberirdischen Pflanzenteile treten (je nach Witterung und den vorhandenen "Stresssituationen") zwischen Blüte und Ausdoldung bis zur Ernte hin auf. Zunächst zeigen sich Vergilbungen an den unteren Blättern. Im weiteren Verlauf werden fortschreitende Verbräunungen sichtbar, die schließlich zum Blattabfall führen.

Von den angeleiteten Reben eines Stocks können eine oder alle Reben absterben, sei es nun nacheinander oder gleichzeitig. Ein sicheres Symptom für den Befall mit dem Bodenpilz Verticillium sind die Verbräunungen des Xylems. Ein symptomloser Neuaustrieb einer bereits befallenen Pflanze im darauf folgenden Jahr ist möglich. Ein Befall über mehrere Jahre schwächt allerdings den Wurzelstock, so dass ein verzögerter und verringerter Austrieb im Frühjahr die Folge sein kann.

Chemische Bekämpfung ist nicht möglich. Mäßige Düngung (v. a. mit Stickstoff), Bodenlockerung und Vermeidung von Staunässe verringern die Welkeanfälligkeit der Pflanze. Welkeresistent sind die Sorten Northern Brewer, Hüller Bitterer, Perle und Orion.