HVG Germany: Hopfen

 

Geschichte des Hopfenanbaus - 20. Jahrhundert

Im 20. Jahrhundert verändern sich die Hopfen- und die Brauwirtschaft rasant. Es zeichnen sich drei Epochen ab. Die folgenden Ereignisse beeinflussen vor allem die Markteilnehmer in Deutschland:

1900 bis 1933


Brauwirtschaft:
Zu Beginn des Jahrhunderts produzieren die USA, Deutschland und Großbritannien die größten Biermengen. Der weltweite Ausstoß beläuft sich auf etwa 200-250 Mio Hektoliter. Erfindungen wie die Dampfmaschine, die künstliche Kühlung und die ersten Bierfilter treiben die Branche mächtig an. Die ersten Hefen in Reinzucht gelingen. Die Hochschule für Brauerei wird in Weihenstephan gegründet. Von hier gelangt das Geheimnis des guten Bieres in die ganze Welt.

Das Bier tritt seinen Siegeszug an. Dann erleidet die Industrie zwei heftige Dämpfer: der Erste Weltkrieg bricht aus und in den USA wird das Prohibitionsgesetz verabschiedet.

 

Hopfenhandel
Die Brauereien kaufen vorwiegend Naturhopfen. Die Qualität wird durch Handbonitierung bestimmt. Es gibt viele Umschlagplätze für das "grüne Gold". Zu Beginn des Jahrhunderts ist der Nürnberger Hopfenmarkt der bedeutendste: mehr als 400, meist jüdische Händler bieten hier Hopfen an. Mit Kriegsbeginn 1914 bricht der Export zusammen. Der Einkauf verlagert sich zunehmend auf die Anbaugebiete, im Ausland vor allem in die USA. Der Nürnberger Hopfenmarkt verliert an Bedeutung. 1930 wird er geschlossen. In diesem Jahr sind in Nürnberg noch 171 Hopfenhandelsunternehmen tätig, 120 davon in jüdischem Besitz.

Hopfenanbau in Deutschland
Zu den Erntezeiten finden regelrechte Völkerwanderungen statt. Bis zu 200.000 Arbeiter helfen bei der manuellen Hopfenernte! Anfang des Jahrhunderts florieren 50.000 Anbaubetriebe. Überproduktion führt dann 1908 zu einem dramatischen Preisverfall. Die Anbauflächen werden auf knapp 29 000 Hektar reduziert. 1918, nach dem ersten Weltkrieg, werden nur noch 9.000 Hektar mit Hopfen bebaut, weniger als ein Drittel. Der Hopfenanbau erholt sich nur sehr langsam. 1926 zerstört die Peronospora, eine gefürchtete Pilzkrankheit, die Hopfenernte fast vollständig. Daraufhin gründet sich die Deutsche Gesellschaft für Hopfenforschung. In 1929 wird das Hopfenherkunftsgesetz in Deutschland verabschiedet.