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0 - 19. Jahrhundert

Vom wilden Kraut zu einer weltweit geschätzten Kulturpflanze: Der Aufstieg des Hopfens geht Hand in Hand mit der Ausbreitung der Bierkultur über alle Kontinente.
Um einen Überblick über die Geschichte des Hopfenanbaus zu bekommen, macht man sich also am besten auf die Spuren der Biergeschichte.

Hier - ohne Anspruch auf Vollständigkeit - eine Zusammenfassung der wichtigsten Ereignisse:


Die Zeit vor Christus:
Getränke aus vergorenem Getreide sind über alle Kontinente und Kulturen hinweg bekannt. Die ersten Vorläufer von Bier sind auch so entstanden. Ägypter und Phönizier sollen - den Überlieferungen nach - geschickt in der Braukunst gewesen sein. Die Germanen verfeinern die Braukunst, die dann auch während des Römischen Reiches Ausbreitung findet. Bier gilt jedoch als Barbarengesöff.


Die Zeit nach Christus:
260 n. Chr.
Bierverleger in Deutschland, belegt durch einen bei Trier gefundenen Bierverlegerstein

719 n. Chr.
Die Lex Alemannorum von Herzog Lantfrit von Schwaben bestimmt für die unfreien Bauern u. a. die Abgabe von Bier an die Herrschaft.

736 n. Chr.
Ältester Nachweis über Hopfenanbau in Deutschland bei Geisenfeld/Hallertau

817 n. Chr.
Die Bierbereitung konzentriert sich im Mittelalter auf Klöster und Fürstentümer. Auf dem Konzil zu Aachen im Jahre 817 jedoch erhebt man das Bier zum "Heiltrank", weil es in den Klöstern medizinisch geschätzt, unverzichtbar ist. mehr

859 n. Chr.
Urkundlicher Nachweis über Hopfenanbau in Böhmen im heutigen Tschechien

 


 

1040
Aufzeichnungen aus dem Kloster in Weihenstephan, die älteste heute noch betriebene Brauerei der Welt Welt

1070
Aufzeichnungen über Hopfenanbau in den Klöstern des heutigen Elbe-Saale-Gebietes in der Nähe Magdeburgs

1156
Kaiser Barbarossa erlässt in der Stadt Augsburg eine neue Rechtsverordnung, die berühmte "Justitia Civitatis Augustensis". Schon darin wird für das Bier festgehalten: "Wenn ein Bierschenker schlechtes Bier macht oder ungerechtes Maß gibt, soll er gestraft werden ..."

Um 1200
Erste Nachweise über die Ausfuhr von Bier von norddeutschen Brauereien nach Skandinavien und Flandern. Die Hansestadt Hamburg ist wichtigster Hopfenmarkt, wichtigstes Hopfenanbaugebiet ist das heutige Land Mecklenburg.

1338
Erste Aufzeichnungen über den Hopfenanbau in der Hersbrucker Region

1341
Erste Aufzeichnungen über den Hopfenanbau in der Region Spalt

Nürnberg
1393: Auf Beschluss des Stadtrates darf nur noch Gerste zum Brauen verwendet werden.

München
1363 wird 12 Mitgliedern des Stadtrates die Bieraufsicht übertragen.
1420: Die Münchener Stadtverwaltung befiehlt rund 30 Jahre später, 1420, das Bier nach dem Brauen eine Zeitlang zu lagern.
1447: Die Stadträte verlangen ausdrücklich von den Brauern, dass sie zum Bierbrauen nur Gersten, Hopfen und Wasser verwenden dürfen "... und sonst nichts darein oder darunter tun oder man straffe es fuer valsch".

Regensburg
1447: Die Regensburger beauftragen ihren Stadtarzt, das in der Stadt gebraute Bier regelmäßig zu kontrollieren und ein besonderes Augenmerk darauf zu haben, was an Zutaten in das Bier gegeben wird. Nach den schlechten Erfahrungen des Stadtarztes bringen sie 1453 eine Brauordnung heraus.

 


 

Herzogtum Bayern-Landshut
1493: Herzog Georg der Reiche erlässt für sein gesamtes Herzogtum Bayern-Landshut, das altbayerische Kerngebiet, diese Vorschrift: "Die Bierbrauer und andere sollten nichts zum Bier gebrauchen denn allein Malz, Hopfen und Wasser, noch dieselben Brauer, auch die Bierschenken und andere nichts anderes in das Bier tun - bei Vermeidung von Strafe an Leib und Gut." Alle diese Verordnungen werden kontrolliert: Bierbeschauer besuchen regelmäßig die Brauer, prüfen und versuchen das Bier. Auch sie selbst sind strengen Bestimmungen unterworfen und dürfen höchstens sechs Prüfungen am Tag vornehmen. Außerdem dürfen sie an Prüfungstagen weder Speisen zu sich nehmen, die die Geschmacksnerven beeinträchtigen könnten, noch ist es ihnen erlaubt, Wein zu trinken oder gar zu rauchen.

Ingolstadt 23. April 1516 (mehr....)
Es wird beim bayerischen Landständetag - einer Zusammenkunft von Landadel und Ritterschaft - in Ingolstadt durch Herzog Wilhelm IV. das Reinheitsgebot für alle bayerischen Brauer erlassen.
Die norddeutschen Brauer, die bis dahin aufgrund ihrer strengen Zunftordnung mit ihren Bierqualitäten unerreicht sind, müssen zusehen, wie Bayern schnell aufholt. Es gibt in Deutschland hinsichtlich des Bieres zwei unterschiedliche Rechtssysteme:

Städte- und Zunftrecht im Norden
Bier gilt während des Mittelalters als "bürgerliche Nahrung" und untersteht bürgerlichem Recht, das sich in den Städten entwickelt hat und das die Bürger erfolgreich gegen Adel und Geistlichkeit vertreten. Deshalb sind hier das Bier betreffende Verordnungen in erster Linie Sache der Stadtverwaltungen und der Zünfte.

 


 

Landesrecht im Süden
Im Süden hingegen nehmen die Landesherren direkten Einfluss auf alle Verordnungen, die das Bier betreffen. Das wirkt sich beim Reinheitsgebot besonders positiv aus, denn es gilt sofort und flächendeckend in ganz Bayern. Das strenge Gesetz setzt einen verbindlichen Qualitätsstandard für ganz Bayern und schiebt fortan allen Verfälschungen und Panschereien einen Riegel vor. Eine Steuer für einheimisches Bier wird in Bayern auch erst wesentlich später, nämlich 1572, eingeführt.
Das bayerische Reinheitsgebot findet nach und nach überall in Deutschland Freunde und Anwendung, auch wenn man die bayerische Vorschrift nicht einfach übernimmt.

Reinheitsgebot
"Wir verordnen, setzen und wollen mit dem Rat unserer Landschaft, dass forthin überall im Fürstentum Bayern sowohl auf dem Lande wie auch in unseren Städten und Märkten, die keine besondere Ordnung dafür haben, von Michaeli (29. September) bis Georgi (23. April) eine Maß (bayrische Maß = 1,069 Liter) oder ein Kopf (halbkugelförmiges Geschirr für Flüssigkeiten - nicht ganz eine Maß) Bier für nicht mehr als einen Pfennig Münchener Währung und von Georgi bis Michaeli die Maß für nicht mehr als zwei Pfennig derselben Währung, der Kopf für nicht mehr als drei Heller (Heller = gewöhnlich ein halber Pfennig) bei Androhung unten angeführter Strafe gegeben und ausgeschenkt werden soll. Wo aber einer nicht Märzen, sondern anderes Bier brauen oder sonstwie haben würde, soll er es keineswegs höher als um einen Pfennig die Maß ausschenken und verkaufen.

Ganz besonders wollen wir, dass forthin allenthalben in unseren Städten, Märkten und auf dem Lande zu keinem Bier mehr Stücke als allein Gersten, Hopfen und Wasser verwendet und gebraucht werden sollen.

Wer diese unsere Androhung wissentlich übertritt und nicht einhält, dem soll von seiner Gerichtsobrigkeit zur Strafe dieses Fass Bier, so oft es vorkommt, unnachsichtlich weggenommen werden.

Wo jedoch ein Gastwirt von einem Bierbräu in unseren Städten, Märkten oder auf dem Lande einen, zwei oder drei Eimer (= enthält ca. 60 Liter) Bier kauft und wieder ausschenkt an das gemeinsame Bauernvolk, soll ihm allein und sonst niemand erlaubt und unverboten sein, die Maß oder den Kopf Bier um einen Heller teurer als oben vorgeschrieben ist, zu geben und auszuschenken.

Auch soll uns als Landesfürsten vorbehalten sein, für den Fall, dass aus Mangel und Verteuerung des Getreides starke Beschwernis entstünde, nachdem die Jahrgänge, auch die Gegend und die Reifezeiten in unserem Land verschieden sind, zum allgemeinen Nutzen Einschränkungen zu verordnen, wie solches am Schluss über den Fürkauf ausführlich ausgedrückt und gesetzt ist."

Gegeben von Wilhelm IV.
Herzog in Bayern
am Georgitag zu Ingolstadt Anno 1516

 


 

1511
Ankunft des Hopfens in England, eingeführt wahrscheinlich durch flämische Einwanderer. Ale wird zwar schon gebraut, aber bis Mitte des 16. Jahrhunderts nicht gehopft.

1517
Böhmische Adlige erzwingen im "Wenzel-Vertrag" das Braurecht der königlichen Städte und der Klöster. Dieses trägt zur raschen Ausbreitung der Brauereien und des Hopfenanbaus in ganz Böhmen bei.

1538
Der Eichstätter Fürstbischof verleiht der Stadt Spalt das erste Hopfensiegel.

1589
Das Hofbräuhaus in München wird gegründet.

1618-1648
Der 30-jährige Krieg vernichtet fast vollständig den Hopfenanbau im Norden Deutschlands. Im Süden wird dagegen der Weinbau zum Großteil zerstört, was dem Hopfen als bayerischer Kultur nach dem Krieg großen Auftrieb gibt und ihn zum wirtschaftlichen Faktor macht.

1629
Einwanderer bringen den ersten Hopfen aus Europa in die USA.

1638
USA: Erste Brauereien entstehen in der Gegend um Manhattan.

1652
Jan van Riebeek legt den ersten Hopfengarten am Kap der Guten Hoffnung in Südafrika an.

1700
Die untergärige Brauweise, die sich bereits im 15. Jahrhundert vermutlich als Folge des Reinheitsgebotes im Süden ausgebreitet hat, wird in Bayern obligatorisch. Die Herstellung obergäriger Weizenbiere ist ausschließlich den kurfürstlichen Brauhäusern vorbehalten.

 


 

1730
Urkundliche Erwähnung des Hopfenanbaus in der Schweiz

1731
Es wird versucht, den starken Hopfenimport aus Böhmen einzudämmen. Der Stadt Hersbruck wird das Hopfensiegel verliehen und der Anbau von Hopfen wird reglementiert und gefördert.

1743
Bayern: Kurfürstliches Mandat zur Hebung der Qualität des bayerischen Hopfens. Der bis dahin zum Großteil gehackte Hopfen muss demnach wie in Böhmen gezupft und von Blatt und Stängeln befreit werden.

1749
Hopfenanbau floriert in Sachsen und Thüringen.

1685-1775
Erste schriftliche Anleitungen zum Anbau von Hopfen durch "Experimentalökonömen" wie Christian Reichard

1780
USA: Der Hopfenanbau breitet sich in Massachussets aus.

1794
Das heutige Hopfenhandelshaus Joh. Barth & Sohn wird gegründet.

1805
Erster dokumentierter Hopfenanbau auf dem australischen Kontinent

1806
Gründung des Königreichs Bayern. Montgelas baut aus dem zersplitterten Gebiet einen straff verwalteten Zentralstaat. Im Königreich sind nun alle wesentlichen Hopfenbaugebiete Deutschlands vereinigt. Der Staat kann nunmehr größeren Einfluss auf die Hopfenwirtschaft ausüben.

1815
Aufzeichnungen belegen den Anbau von Hopfen von Passau bis zum Rheinland.

1844
Auf Anregung von J. N. von Lentz und engagierten Bürgern Tettnangs beginnt in dieser Region am Bodensee der Anbau von Hopfen.

 


 

1845
Gründung des heutigen Handelshauses S. S. Steiner

1846
Amtliche Gründung des Nürnberger Hopfenmarktes

1870
In der Spatenbrauerei München beginnen die ersten Versuche mit künstlicher Kühlung unter Carl v. Linde (Foto).

1885
Größte Ausdehnung des Hopfenanbaus im Deutschen Reich mit 47.391 ha

1892
Erfindung des Kronkorkens durch den Amerikaner William Painter

1896
Baden übernimmt das Reinheitsgebot.

1900
Württemberg übernimmt das Reinheitsgebot.

1906
Das Reinheitsgebot ist in allen Teilen des Deutschen Reiches gültig.

1907
Prof. E. S. Salmon betreibt als Vorreiter der Hopfenzüchtung die ersten Kreuzungen am North Eastern Agriculture College in Wye.
Er ist u.a. der Vater der Sorten "Brewers Gold", "Northern Brewer" und "Boullion".